WER WAR NOCHMAL KAFKA?

Verwandlung Plakat_quer

Gymnasium Lerchenfeld und Ernst Deutsch Theater

»Lieber Herr Kafka, zunächst sollte ich Ihnen wohl eingestehen, dass ich Sie nicht kenne. Aber ich habe schon einiges über Sie gehört, Gutes wie Schlechtes (…)Ich weiß nichts über Sie und ich habe nichts gegen Sie. Im Gegenteil, ich wollte mich immer schon mal mit Ihnen auseinandersetzen. Sie scheinen ein interessanter Mensch gewesen zu sein. Mit freundlichen Grüßen, ihre 10b«

Der Jahrgang 10 des Gymnasium Lerchenfeld lud zur Werkschau: Drei Kurse aus den Fächern Theater, Musik und Audiovisuelle Medien (AVM) präsentierten am 17. Mai ihre Auseinandersetzung mit Kafkas „Die Verwandlung“ in der Mehrzweckhalle der Schule. Bereits im Rahmen des Deutschunterrichtes hatten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Stoff sehr intensiv auseinandergesetzt, da er Thema der Überprüfung war. Eine Schülerin führte moderierend durch den Abend.

Zuerst gab es die Ergebnisse des AVM-Kurses zu sehen: Von Schülerinnen und Schülern in kleinen Gruppen umgesetzte Videos, die sich mit Aspekten des Werkes auf unterschiedliche ästhetische Art und Weise auseinandergesetzt haben. Um sich dem Stoff künstlerisch zu nähern, besuchte der Kurs die Ausstellung „Surrealismus“ in der Hamburger Kunsthalle. Dieses Thema griff eine Gruppe mit einer Nachrichtensendung mit surrealen Elementen auf, die als Rahmenhandlung für die anderen Videos diente. Die unterschiedlichen Videosequenzen setzten sich u.a. mit Aspekten wie Traum und Wirklichkeit oder Innen- und Außenwahrnehmung auseinander.

Im Anschluss an die Filmsicht konnte sich das Publikum in eigens aufgebauten „Kabinen“ die Ergebnisse des Musikkurses anhören. An einem Laptop waren verschiedene Kopfhörer angeschlossen, sodass mehrere Personen gleichzeitig ein Stück anhören konnten. An der Wand klebende Beschreibungen zu den Stücken erläuterten, mit welchen Elementen sich die jeweiligen Schülerinnen und Schüler dem Werk genähert haben. Eine Gruppe hat z.B. die Apfelwurf-Szene musikalisch untersucht, eine andere den Verlauf der Erzählung.

Zum Abschluss präsentierten die Schülerinnen und Schüler des Theaterkurses ihre Auseinandersetzung mit Kafka. Eine Schülergruppe hatte Kafkas Erzählung in ein Skript übersetzt, an welchem sich der Kurs in den letzten Monaten abgearbeitet hat. Dabei vermittelt die von den Schülerinnen und Schülern eingeführte Ebene des Schülerchors zwischen Erzählung und Publikum: lamentierend, kommentierend und interpretierend. Mit einer psychologischen und einer biografischen Ebene zeigten die Darstellerinnen und Darsteller weitere Interpretationsmöglichkeiten und Betrachtungsweisen auf. Dies geschah immer wieder mit Blick auf den Handlungsstrang der Erzählung. Das Stück endete kafkaesk: Alle Darstellerinnen und Darsteller schienen sich in Käfer zu verwandeln und bewegten sich von der Bühne in Richtung Publikum.

Text: Ricarda Friedrich
Bild: Plakatmotiv von Trigal Sandberger Canas

PS: am Donnerstag 29.06.2017, 10 Uhr, im St. Pauli Theater ist ein Ausschnitt daraus beim TUSCH Theater Tag zu sehen! Eintritt frei!

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