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Stadtteilschule Rissen und LICHTHOF Theater

Es ist ziemlich warm an diesem Aprilnachmittag im LICHTHOF Theater in Hamburg Bahrenfeld. Der Profilkurs „Theater und Kunst“ (12. Klasse) der Stadtteilschule Rissen – sieben Schülerinnen, ein Schüler, zwei Lehrerinnen – trifft sich mit Patricia Carolin Mai und Su Jin Kim, den beiden Tänzerinnen, die im Auftrag des TUSCH-Partners der Schule einen Reihe von Workshops anbieten.

Die Sonne heizt den schwarzen Fußboden auf. Mit den nackten Füßen spürt man den Temperaturunterschied, bleibt kleben, wenn man zu lange steht. Also, in Bewegung bleiben. Die Musik ist laut und rhythmisch – portugiesisch? In der ersten halben Stunde kommen alle ins Schwitzen, auch innen, denn die von jedem einzelnen vorgestellten, möglichst unkomplizierten, Bewegungen werden in Wiederholungsschleifen in den Köpfen verankert. „Wie war das genau? Kannst du den Bewegungsablauf nochmal wiederholen?  Wenn du dir selbst über den Ablauf deiner Bewegung im Klaren bist, wo sie anfängt und aufhört, dann können es sich die anderen merken und nachmachen.“, so der Hinweis von Patricia Carolin Mai. Die zwölf Bewegungen sind das Material der Stunde, werden kombiniert und verbunden. Zunächst arbeitet jeder für sich und findet dabei die eigene Bewegungsfolge, im eigenen Tempo, im sonnendurchfluteten Raum.

Die Theater-Stühle stehen heute an den Wänden entlang, die Bühne ist im Zentrum und so kann man immer wieder die Ausrichtung der Bewegungen ändern, von jedem Platz hat man eine andere Perspektive auf die Choreographien, die langsam entstehen und sich immer deutlicher zeigen.  Immer wieder wechseln die Phasen der Erarbeitung mit den Phasen des gegenseitigen Zeigens, bis alle in ihrer selbstgewählten Bewegungsfolge sicher sind.

Im Spalier stehen sich die zwölf Tänzer*innen gegenüber und gehen auf einander zu und zeigen sich dabei die eigene Choreographie, so als würden sie sich eine kurze Geschichte aus ihrem Leben erzählen. „Denkt daran, dass der Blickkontakt die gemeinsame Bewegung fokussiert und der Fluss der Bewegungen deutlicher zu erkennen ist.“, fordert Su Jin Kim zu noch mehr Konzentration auf.

Der Zufall des Spaliers brachte die Paare zusammen, die sich nun der nächsten Herausforderung stellen: gemeinsam, ohne die eigene Bewegungsabfolge zu verändern, neue Wege und Ausrichtungen im Raum finden, sich in der Choreographie treffen, eigen bleiben und doch etwas Gemeinsames entstehen lassen. Zehn Minuten kreatives Chaos: wuselnde Schüler*innen, Lachen, Erklärungen, Ausprobieren, Suchen, Finden und wieder Probieren, noch mehr Lachen, Lehrerinnen mittendrin doch nicht mehr als solche erkennbar.

Um das Bühnenzentrum sitzen die Tänzer*innen auf den Theater-Stühlen und jedes Paar zeigt seine Tanzsequenz. Noch einmal gibt es drei Minuten Zeit zur Verfeinerung, Klärung und Präzisierung der Abfolgen. Bei der letzten Präsentation erzählen alle Paare eine Geschichte, die deutlich erkennbar ist.

Text und Foto: Cornelia von der Heydt

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